Das so geweckte Interesse für die Arktis brachte mich 2023 mit dem Institut für Geographie und Raumforschung an der Uni Graz und in weiterer Folge mit der Forschungsstation Sermilik in Verbindung. Die Offenheit der dort Verantwortlichen, Dr. Wolfgang Schöner und Dr. Andreas Trügler, eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst einzugehen, war ein weiterer Glücksfall.
Der künstlerische Zugang zum Forschungsinhalt eröffnet neue Blickwinkel und regt Wissenschaftler*innen an, festgefahrene Fragestellungen zu hinterfragen. Kunst darf auch komplexe Systeme und Felder reduzieren und während die Wissenschaft auf Reproduzierbarkeit zielt, erlaubt die Kunst einen emotionalen, subjektiven Zugang, der in der Vermittlung vielschichtiger Themen genutzt werden kann.

"Im Grunde führen wir alle einen Kulturvergleich durch, in dem das Eigene zum Maßstab wird, und das Andere unter die eigenen Kategorien subsumiert wird und mit einem Mangel behaftet erscheint" ("Indigene Völker in der Weltgesellschaft - Die kulturelle Identität der grönländischen Inuit im Spannungsfeld von Natur und Kultur", Frank Sowa, 2014). Dieses Zitat und Einblicke in die Kultur- und Sozialgeschichte Grönlands möchte ich nach dem Aufenthalt auf Sermilik meiner Arbeit voranstellen. Denn nur so denke ich, kann das westlich geschulte Auge und unser Wertekanon den Bewohner*innen Grönlands, dem Kalaallit Nunaat, dem "Land der Menschen" gerecht werden.